„Wir sind die Nadel im Heuhaufen“ – Lesung mit Dorit Linke an der FOS/BOS Marktheidenfeld
Die Autorin Dorit Linke las im Rahmen des White Ravens Festivals der Internationalen Jugendbibliothek in München an der Beruflichen Oberschule aus ihrem Roman „Jenseits der blauen Grenze“.
Bereits zum 4. Mal findet in diesem Jahr das White Ravens Festival für Internationale Kinder- und Jugendliteratur statt. Sechs Tage lang reisen 14 Autoren aus 11 Ländern durch Bayern, lesen aus ihren Werken und sprechen über ihre Arbeit. Schulleiter Karl Fuchs zeigte sich erfreut, dass in diesem Jahr die Berufliche Oberschule die Chance hatte, eine der renommierten Autorinnen des Festivals für eine Lesung gewinnen zu können. Er begrüßte die in Rostock geborene und in der DDR aufgewachsene Autorin Dorit Linke, deren Buch, „Jenseits der blauen Grenze“ im vergangenen Jahr für den Deutschen Jugendbuchliteraturpreis nominiert war.
Die Autorin wurde von Stefanie Lange begleitet, die den Schülern zunächst kurz die Biographie Frau Linkes näher brachte. Danach las die Autorin Auszüge aus ihrem Buch, welches in den letzten Jahren der DDR spielt. Die junge Hanna und ihr Freund Andreas fühlen sich vom System der DDR eingezwängt und sehen am Ende keine anderen Ausweg, als die gefährliche Flucht über die Ostsee im Sommer 1989 zu wagen. Frau Linke gelang es bereits mit den ersten gelesenen Sätzen, die Schüler in ihren Bann zu ziehen, denn die Zuhörer fanden sich vom ersten Satz an mitten in dieser ungewöhnlichen Fluchtgeschichte. Intensiv schilderte die Autorin die Dunkelheit, Kälte, Angst, Hunger und Müdigkeit, die deutlich machten, in welcher Zwangslage sich die jungen Menschen befinden mussten, um solche Strapazen auf sich zu nehmen. Immer wieder sind sie kurz davor, entdeckt zu werden, aber sie bleiben „die Nadel im Heuhaufen“. Neben der eigentlichen Fluchtschilderung greift die Autorin in Flashbacks Begebenheiten aus dem Alltagsleben in der DDR auf, so wie sie die Jugendlichen erlebt haben. Die Autorin brachte die Schüler zum Schmunzeln, wenn die Jugendlichen sich aufmüpfig im Wehrunterricht zeigten, weil sie beim Marschieren lieber „Freude schöner Götterfunke“ skandierten, statt Marschmusik. Oder wenn sich der beste Freund der beiden Protagonisten in eine blonde Westschönheit verliebte, weil sie ihnen im Intershop Süßigkeiten und Nutella kaufte – auch wenn sie am nächsten Tag in der Schule dafür bestraft wurden, weil man vom Klassenfeind generell nichts annehmen durfte, denn „der Klassenfeind habe viele Gesichter“.