Fachrichtung Religion und Ethik

„Und jetzt noch ein Jahr Reli bzw. Ethik! …“

Die meisten Schülerinnen und Schüler haben - ganz egal, ob in der Mittel-, Real-  Berufsschule oder am Gymnasium  - schon viele lange Jahre Religions- oder Ethikunterricht mehr oder weniger ‚genossen‘ und ihre Erfahrungen hinsichtlich der Inhalte und der Qualität gesammelt. Manche stellen deshalb kritisch die Frage, warum das an der FOS/BOS auch noch sein muss und ob es nicht ausreicht, vor allem oder nur Kern-, sprich: Prüfungsfächer zu haben.

Über die Notwendigkeit dieser Fächer gehen die Meinungen auch bei den Schülerinnen und Schülern auseinander. Das Interesse daran ist unterschiedlich.

Seit gut zwei Jahren sind die Fächer nun auch relevant für den Abiturschnitt. Für manchen verbunden mit der Vorstellung, damit auch - ganz selbstverständlich! - seinen Schnitt zu verbessern, denn in Reli oder Ethik gibt es ‚erfahrungsgemäß‘ nur gute Noten. Mit diesem Denken erlitt der eine oder die andere auch ein wenig Schiffbruch.

In den 11. Klassen gibt es keinen  Religions- bzw. Ethikunterricht (Ausnahme: Vorklasse FOS und BOS), wohl aber in den 12 und 13. Jahrgängen (FOS 12: 2 Wochenstunden; BOS 12: 1WS; FOS/BOS 13: 1WS). Zum Zustandekommen von entsprechenden Kursen braucht es wenigstens fünf Schülerinnen und Schüler.

Um was geht es in dieser Altersstufe? Neben dem Lehrplan und seinen inhaltlichen Vorgaben bieten die Fächer auch Raum für aktuelle Themen.

 

So haben die 13. Klassen in Katholischer Religion z. B.

- Ausschnitte der neuen Papstenzyklika „Laudato si“ (2016) unter die Lupe genommen,

- sich mit dem Missbrauch von Macht ‚ im Namen Gottes‘ auseinandergesetzt,

- Religionskritiker kennengelernt und

- sich mit Formen des Atheismus befasst.

 

Im Fach Ethik haben die Schülerinnen und Schüler in Jahrgang 13 z. B.

-   Menschenbilder aus Philosophie, Wissenschaft und den Religionen unter die Lupe genommen,

-   bedeutende Vertreter der Tugend- (Aristoteles), Pflicht- (Kant), Nutzen- (Mill und Bentham) sowie Verantwortungsethik (Hans Jonas) kennengelernt
     und ihre Argumentationsmodelle auf Situationen des Alltags angewandt,

-   die Herausforderungen des Menschen im Bereich der Natur- und Tierethik erörtert (zB  Wie geht der moderne Mensch mit der Natur um?
    Dürfen wir Tiere essen?) und

-   Gerechtigkeit und Solidarität im menschlichen Zusammenleben diskutiert.

 

In den 12. Klassen ging es katholischerseits z. B.

- um „die Lehre vom gerechten Krieg“ auf dem Hintergrund der Anschläge von Paris im November 2015,

- um die Frage nach der grundsätzlichen Erlaubtheit von Notwehr, Folter und Todesstrafe;

- um ethische Fragen im Zusammenhang mit der Präimplantations-(PID) und Pränataldiagnostik (PND);

- um den Unterschied zwischen Hospiz und Palliativ;

- um Sekten – ganz allgemein und spezieller;

- um „Fußball als (Ersatz-)Religion?“;

- um „Essensretter“ als Protest/ Initiative gegen Verschwendung und als Beispiele zum bewussteren Umgang mit Lebensmitteln; ;

- wegen der historischen Begegnung des Papstes und des Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche in Havanna
   im Februar 2016 (nach fast 1000 Jahren Eiszeit!) um Hintergründe und Anlässe  von Kirchenspaltungen im Laufe der Kirchengeschichte und

- angesichts des 500-jährigen Lutherjubiläums 2017 spezieller um die Ursachen und die Auswirkungen der Reformation.

 

Dahingegen ging es in den Ethikklassen Jahrgang  12 z. B. um…

- Ethische Kategorien wie Gerechtigkeit, Schuld und Strafe (auch Todesstrafe)

- Herkunft des Gewissens als „innerer Gerichtshof“

- Glück, Sinnerfüllung und Süchte

- Religionskunde (Islam, Judentum, Christentum, Sekten etc.)

- Sterbehilfe, Schwangerschaftsabbrüche, Depressionen und  Burn-Out

- Gestalt und Existenz des Guten und des Bösen

- Gewalt, Aggression und Krieg, (Cyber-) Mobbing etc.

Der Ethik- und Religionsunterricht bietet unserer Meinung nach die Chance, sich mit Fragen des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, aktuellen und persönlichen Lebens und mit ethischen (Grund-) Fragen auseinanderzusetzen, die sonst eher zu kurz kommen oder keinen Platz in der Schule finden!

Auch das gehört zum Bildungsauftrag von Schule und ist von seinen Möglichkeiten her neben anderen Fächern ein vielleicht nicht unwesentlicher Baustein.

 

Eberhard Bach, Reinhold Grimm, Antonia Köhler

 

Zum Seitenanfang